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European Business Wallets: Warum Europa eine digitale Identität für Unternehmen einführt

European Business Wallets schaffen die Grundlage für: weniger Bürokratie, höhere Rechtssicherheit und effizientere digitale Geschäftsprozess
Lesezeit: 2 Minuten
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Kurz erklärt

European Business Wallets sind ein geplanter EU-weiter Standard für die digitale Identität von Unternehmen. Sie sollen es wirtschaftlichen Akteuren ermöglichen, sich europaweit rechtswirksam, sicher und interoperabel digital auszuweisen und Dokumente auszutauschen.

Was ist ein European Business Wallet?

Ein European Business Wallet ist ein digitales Wallet für wirtschaftliche Akteure wie Unternehmen, Selbstständige und Organisationen. Es dient der Identifizierung, Authentifizierung und dem rechtssicheren Austausch geprüfter Unternehmensdaten im europäischen Binnenmarkt.

Die Wallets bauen auf bestehenden EU-Vertrauensdiensten auf und sollen dieselbe rechtliche Wirkung entfalten wie papierbasierte oder persönliche Verfahren.

Warum braucht Europa eine digitale Unternehmensidentität?

Trotz fortschreitender Digitalisierung sind Unternehmensprozesse in Europa weiterhin stark fragmentiert. Nationale Register, unterschiedliche Verwaltungsportale und fehlende Interoperabilität führen dazu, dass Unternehmen:

  • dieselben Nachweise mehrfach einreichen müssen,
  • Dokumente manuell oder per E-Mail übermitteln,
  • rechtliche Unsicherheiten bei grenzüberschreitenden Vorgängen haben.

Besonders für Unternehmen, die in mehreren EU-Mitgliedstaaten tätig sind, entstehen dadurch hohe administrative und regulatorische Kosten.

Warum eIDAS für Unternehmen nicht ausreicht

Die eIDAS-Verordnung bildet seit 2024 den Rahmen für die europäische digitale Identität. Sie richtet sich jedoch primär an natürliche Personen.

Geschäftliche Realität erfordert jedoch zusätzliche Funktionen: Handeln im Namen einer juristischen Person, Delegation von Befugnissen an Mitarbeitende oder Bevollmächtigte und Verwaltung unternehmensbezogener Nachweise wie Registerdaten, Lizenzen oder Steuernummern.

Diese Anforderungen können mit klassischen digitalen Identitätswallets nur eingeschränkt abgebildet werden.

Welche Funktionen bieten European Business Wallets?

European Business Wallets sollen unter anderem ermöglichen:

  • sichere Speicherung und Weitergabe geprüfter Unternehmensdaten
  • selektive Offenlegung von Identitätsmerkmalen
  • qualifizierte elektronische Signaturen und Siegel
  • qualifizierte elektronische Zeitstempel
  • rechtssicheren elektronischen Dokumentenversand

Delegation und Rollenverwaltung innerhalb eines Unternehmens

Alle Kernfunktionen müssen EU-weit interoperabel und rechtlich anerkannt sein.

Ein zentrales Merkmal der European Business Wallets ist ihre volle Rechtswirksamkeit. Transaktionen, die über ein Business Wallet durchgeführt werden, sollen europaweit dieselbe rechtliche Wirkung haben wie:

  • persönliche Vorsprachen
  • papierbasierte Verfahren
  • nationale elektronische Lösungen

Damit bilden Business Wallets eine vertrauenswürdige digitale Infrastruktur für B2B- und B2G-Prozesse.

Einordnung in die EU-Digitalstrategie

Die European Business Wallets sind Teil einer umfassenden europäischen Digitalstrategie. Sie ergänzen unter anderem: die europäische digitale Identität, Initiativen zur Verwaltungsdigitalisierung und Maßnahmen zur Reduktion administrativer Belastungen für Unternehmen.

Langfristiges Ziel ist ein digital-by-default funktionierender Binnenmarkt, in dem Unternehmen effizient und rechtssicher über Landesgrenzen hinweg agieren können.

Fazit: Ein Schlüsselprojekt für den digitalen Binnenmarkt

European Business Wallets adressieren ein zentrales Problem der europäischen Wirtschaft: den fehlenden, europaweit anerkannten digitalen Identitätsrahmen für Unternehmen.

Sie schaffen die Grundlage für: weniger Bürokratie, höhere Rechtssicherheit und effizientere digitale Geschäftsprozesse im Binnenmarkt.

Damit sind sie ein wesentlicher Baustein für die digitale Wettbewerbsfähigkeit Europas.

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