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Verified Credentials in der EUDI Wallet: Wie verifizierbare Nachweise Europas digitale Prozesse neu ordnen

„Verified Credentials“ sind digital ausgestellte, kryptografisch geschützte Nachweise, die bestimmte Eigenschaften (Attribute) über eine Person oder Organisation belegen.
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Kurz erklärt

Stellen Sie sich vor, Sie müssten künftig keinen Scan Ihres Führerscheins, keine PDF-Bescheinigung und keinen „Screenshot-Beweis“ mehr hochladen. Stattdessen teilen Sie aus Ihrer EUDI Wallet genau die Information, die gebraucht wird – kryptografisch abgesichert, sofort prüfbar und möglichst datensparsam.

„Verified Credentials“ sind in diesem Kontext digital ausgestellte, kryptografisch geschützte Nachweise, die bestimmte Eigenschaften (Attribute) über eine Person oder Organisation belegen und von Dritten verifiziert werden können. Technisch wird dafür häufig auf Standards aus der Welt der Verifiable Credentials (VC) zurückgegriffen.Offizielle deutsche Bezeichnung im eIDAS-/EUDI-Umfeld: In der Terminologie rund um eIDAS 2.0 und die EUDI Wallet wird hierfür insbesondere der Begriff „(qualifizierte) elektronische Attributsbescheinigung“ verwendet.

Was genau ist mit „Verified Credentials“ gemeint?

„Verified Credentials“ (oft auch als „verifizierbare Nachweise“ bezeichnet) sind digitale Nachweise, die drei Dinge kombinieren:

Erstens enthalten sie Attribut-Aussagen – etwa „volljährig“, „Führerschein Klasse B vorhanden“ oder „Unternehmen ist im Handelsregister eingetragen“. Zweitens basiert ihr Wert auf Herausgeber-Vertrauen: Ein vertrauenswürdiger Aussteller bestätigt diese Aussage und versieht sie mit einem kryptografischen Schutz, typischerweise einer Signatur. Drittens lassen sich die Nachweise schnell und automatisiert prüfen: Eine prüfende Stelle kann Echtheit und Integrität verifizieren – idealerweise ohne Medienbruch und ohne unnötige Datenweitergabe.

EUDI Wallet: Warum „Verified Credentials“ hier besonders relevant sind

Die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) ist als europaweit anerkanntes Wallet-Ökosystem konzipiert, in dem Nutzende amtliche und weitere Nachweise digital speichern und bei Bedarf vorzeigen können – mit Fokus auf Interoperabilität, Sicherheit und Datenschutz.

Ein wichtiger Punkt: Die EUDI Wallet denkt Nachweise attributbasiert. Statt ein komplettes Dokument zu teilen, soll künftig häufiger nur das notwendige Attribut bereitgestellt werden – zum Beispiel „über 18“ statt des vollständigen Geburtsdatums. So entsteht ein moderner Ansatz, der digitale Prozesse beschleunigt und gleichzeitig den Datenschutz stärkt.

Die offizielle Begriffswelt: Elektronische Attributsbescheinigung (EAA) und QEAA

Im Regulierungsumfeld der EUDI Wallet begegnet Ihnen für „Verified Credentials“ sehr häufig die Kategorie „elektronische Attributsbescheinigung“: ein digitaler Nachweis über ein Merkmal, eine Eigenschaft, ein Recht oder eine Erlaubnis.

Für besonders vertrauensrelevante Anwendungsfälle gibt es die „qualifizierte elektronische Attributsbescheinigung (QEAA)“ als qualifizierten Vertrauensdienst. Solche qualifizierten Bescheinigungen sind darauf ausgelegt, ein besonders hohes Vertrauensniveau zu erreichen – und können perspektivisch in der EUDI Wallet gespeichert und mobil genutzt werden.

Praxisübersetzung:

  • Verified Credential (allgemein): verifizierbarer digitaler Nachweis / verifizierbare Nachweise
  • Offiziell im EUDI/eIDAS-Kontext: (qualifizierte) elektronische Attributsbescheinigung

Wie funktionieren Verified Credentials technisch – ohne sich in Standards zu verlieren?

In der Praxis lassen sich viele EUDI-Wallet-Szenarien auf ein wiederkehrendes Muster reduzieren:

Bei der Ausstellung (Issuance) erzeugt ein Aussteller den Nachweis und versieht ihn mit einem kryptografischen Schutz. Anschließend erfolgt die Speicherung im Wallet der nutzenden Person. Bei der Vorlage (Presentation) wird der Nachweis – oder ein datensparsamer Auszug daraus – an einen Dienst übermittelt, der die Informationen verifiziert.

Der entscheidende Vorteil: Die Prüfung wird planbarer und standardisierbarer, weil sie sich auf Kryptografie und vertrauenswürdige Aussteller stützt – nicht auf manuelle Sichtprüfungen von Dokumenten.

Was ändert sich für Organisationen und Prozesse?

Der zentrale Effekt von Verified Credentials in der EUDI Wallet ist nicht „noch ein digitales Dokument“, sondern ein neues Prüfparadigma:

Statt PDFs, Scans oder Screenshots zu bewerten, können Organisationen zunehmend bestätigte Attribute prüfen. Das reduziert Medienbrüche, beschleunigt Entscheidungen und erhöht die Automatisierbarkeit. Gleichzeitig wird die Nutzererfahrung konsistenter, insbesondere bei grenzüberschreitenden Prozessen: Wenn ein Nachweisformat und ein Prüfmodell EU-weit tragfähig sind, werden digitale Abläufe besser skalierbar.

Hinzu kommt ein wesentlicher Datenschutzaspekt: Durch selektive Offenlegung können idealerweise nur die Informationen geteilt werden, die tatsächlich erforderlich sind.

Typische Anwendungsfälle in der EUDI Wallet

Verified Credentials bzw. elektronische Attributsbescheinigungen werden vor allem dort relevant, wo heute wiederkehrend Nachweise verlangt werden, etwa:

Bei Identitäts- und Berechtigungsnachweisen für digitale Dienste, bei Qualifikations- und Ausbildungsnachweisen (z. B. Bescheinigungen, Befähigungen, Nachweise) sowie bei Unternehmens- und Vertretungsnachweisen, etwa für Registerdaten, Rollen oder Vollmachten, die als Attribute abgebildet werden können.

Zeitliche Einordnung: Wann kommt das in die Breite?

Die EUDI Wallet ist an einen ambitionierten europäischen Zeitplan gekoppelt. Für Organisationen bedeutet das: Wallet-Readiness ist kein „fernes Zukunftsthema“, sondern sollte frühzeitig in Roadmaps, Identity-Architekturen und Compliance-Designs berücksichtigt werden – insbesondere dort, wo heute schon große Mengen an Nachweisprüfungen stattfinden.

Warum das Thema Vertrauen entscheidend bleibt

Verified Credentials entfalten ihren Nutzen nur, wenn zwei Dinge zusammenkommen: technische Verifizierbarkeit (Integrität, standardisierte Formate, interoperable Prüflogik) und rechtlich-organisatorisch belastbares Aussteller-Vertrauen – insbesondere bei qualifizierten Nachweisen wie der QEAA.

Genau hier entsteht die Brücke zwischen „digitalem Nachweis“ und „verlässlichem Nachweis“: Ein Wallet-Ökosystem skaliert erst dann, wenn Ausstellerqualität, Prüfmechanismen und Governance konsistent zusammenspielen.

Mini-FAQ

Sind Verified Credentials dasselbe wie Verifiable Credentials?

Im Alltag werden die Begriffe häufig vermischt. „Verifiable Credentials“ ist der etablierte Standardbegriff; „Verified Credentials“ wird oft als verständlichere Umschreibung genutzt. Im EUDI/eIDAS-Kontext ist die offizielle Kategorie typischerweise die (qualifizierte) elektronische Attributsbescheinigung.

Muss immer ein komplettes Dokument geteilt werden?

Das Zielbild der EUDI Wallet setzt auf attribut- und datensparsame Nachweisführung. Damit sollen idealerweise nur die Informationen übermittelt werden, die für den jeweiligen Zweck erforderlich sind.

Welche Nachweise sind besonders relevant?

Alles, was heute wiederholt geprüft wird: Identität, Berechtigungen, Qualifikationen und Unternehmensattribute – insbesondere dort, wo Prozesse digitalisiert und grenzüberschreitend werden.

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