Das digitale Vertrauen etabliert sich zunehmend als ein zentrales Thema für den Wandel europäischer Unternehmen. Sicherheit, Compliance, Datenhoheit, künstliche Intelligenz oder auch Betrugsbekämpfung: Unternehmen müssen heute die zunehmende Nutzung digitaler Technologien mit der Bewältigung neuer Risiken in Einklang bringen.
In seiner zweiten Ausgabe erweitert das in Zusammenarbeit mit Xerfi erstellte Barometer des digitalen Vertrauens seine Analyse auf Europa. Die Studie, die unter 700 Entscheidungsträgern von KMU und Großunternehmen in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien durchgeführt wurde, ermöglicht es, die Wahrnehmungen, Praktiken und Prioritäten von vier großen europäischen Märkten anhand einer gemeinsamen Methodik zu vergleichen.
Dieser Vergleich führt zu einer Erkenntnis: Auch wenn bestimmte Grundlagen des digitalen Vertrauens weitgehend geteilt werden, schreiten die europäischen Unternehmen nicht im gleichen Tempo voran und haben nicht unbedingt dieselben Prioritäten.
Gibt es also eine gemeinsame europäische Vision von digitalem Vertrauen, oder führen nationale Besonderheiten weiterhin zu unterschiedlichen Entwicklungen?
In Europa zeichnet sich eine gemeinsame Grundlage für digitales Vertrauen ab
Von Land zu Land gehen europäische Unternehmen das Thema digitales Vertrauen nicht unbedingt mit denselben Prioritäten an. Dennoch zeichnen sich mehrere gemeinsame Anforderungen ab, insbesondere in Bezug auf Regulierung, Datenhoheit und die Auswahl von Technologiepartnern.
Die DSGVO bleibt ein wichtiger Bezugspunkt. Sie wird von 89 % der Entscheidungsträger in Frankreich, 87 % in Deutschland, 84 % in Italien und 70 % in Spanien genannt. Trotz der Unterschiede zwischen den Märkten ist der Datenschutz somit nach wie vor fest in der Art und Weise verankert, wie europäische Unternehmen ihre vertrauenswürdigen digitalen Umgebungen aufbauen.
Diese Aufmerksamkeit für Daten spiegelt sich auch in der Auswahl der technologischen Lösungen wider. Zwischen 58 % und 67 % der Entscheidungsträger betrachten die europäische Herkunft ihrer Anbieter als vorrangiges Kriterium, wobei dies in Italien und Frankreich besonders ausgeprägt ist. Der Standort und das Umfeld, in dem die Daten verarbeitet werden, werden somit zu integralen Bestandteilen des Vertrauensverhältnisses.
Datenschutz und Datenhoheit zählen übrigens in allen vier Märkten zu den wichtigsten Vorteilen, die mit europäischen Lösungen verbunden sind.
Auf europäischer Ebene scheint sich somit eine gemeinsame Grundlage zu festigen: den Schutz der Daten, die Entwicklung innerhalb eines vertrauenswürdigen regulatorischen Rahmens und eine bessere Kontrolle über das eigene technologische Umfeld.
Doch gemeinsame Grundlagen zu teilen bedeutet nicht, im gleichen Tempo voranzukommen. Gerade bei der Umsetzung werden die Unterschiede zwischen den vier Märkten deutlicher sichtbar.
Ein gemeinsames Ziel, aber vier Reifegrade
Gemeinsame Grundsätze bedeuten jedoch nicht, dass die digitale Transformation in Europa einheitlich voranschreitet. Der Digitalisierungsgrad, insbesondere bei den Prozessen, spiegelt die für jedes Land spezifischen Transformationstempi wider.
Frankreich, Italien und Spanien liegen auf einem relativ ähnlichen Niveau, mit durchschnittlich 3,9 digitalisierten Prozessen pro Unternehmen in Frankreich, 4,1 in Italien und 4 in Spanien. Deutschland hebt sich mit einem niedrigeren Durchschnitt von 3,1 digitalisierten Prozessen ab.
Die digitale Reife lässt sich jedoch nicht allein an der Anzahl der bereits digitalisierten Prozesse messen. Die Prioritäten verschieben sich: Es geht nicht mehr nur darum, so weit wie möglich auf papierlose Abläufe umzustellen, sondern auch darum, Transaktionen zu sichern, Daten besser zu verwalten und bestehende Systeme optimal miteinander zu vernetzen, um „blinde Flecken” zu vermeiden.
Auch die auftretenden Hindernisse können diesen Wandel verlangsamen. Während das Budget eine gemeinsame Herausforderung darstellt, haben veraltete Systeme oder die Komplexität der regulatorischen Rahmenbedingungen nicht in jedem Land das gleiche Gewicht.
Die digitale Transformation schreitet in Europa daher mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten voran. Diese Unterschiede im Reifegrad beeinflussen auch die Art und Weise, wie Unternehmen definieren, was für sie ein vertrauenswürdiges digitales Umfeld ausmacht.
Digitales Vertrauen hat nicht in jedem Land dieselbe Bedeutung
Über den Reifegrad hinaus variiert der Begriff des digitalen Vertrauens je nach Land, abhängig von den Anliegen und Prioritäten der Unternehmen.
In Frankreich ist es nach wie vor stark mit Compliance und Datenschutz verbunden. In Italien gewinnt die zwischenmenschliche Dimension an Bedeutung, wobei Kundenvertrauen und Reputation im Vordergrund stehen. In Deutschland spielen datenbezogene Aspekte eine prägendere Rolle.
Spanien verfolgt einen stärker bereichsübergreifenden Ansatz, bei dem Kundenbeziehung, Compliance und Transparenz miteinander verknüpft werden. Das Land zeichnet sich zudem durch eine strategischere, langfristig ausgerichtete Vision aus, in der digitales Vertrauen über die reinen Compliance-Anforderungen hinaus als Hebel für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit betrachtet wird.
Diese Unterschiede haben sehr konkrete Auswirkungen. Je nachdem, was sie unter dem Begriff „Vertrauen” verstehen, werden Unternehmen nicht unbedingt danach streben, dieselben Fähigkeiten auszubauen oder ihre Investitionen in derselben Weise auszurichten.
Ein europäisches Fundament scheint also neben mehreren nationalen Visionen von digitalem Vertrauen zu bestehen. Diese Vielfalt zeigt sich besonders deutlich, wenn eine neue Technologie wie die künstliche Intelligenz ins Spiel kommt.
KI: Die Einführung allein reicht nicht aus, um Vertrauen zu schaffen
Künstliche Intelligenz ist ein gutes Beispiel für diese unterschiedlichen Ansätze. Ein verstärkter Einsatz von KI bedeutet nicht zwangsläufig, dass man eher bereit ist, ihr zu vertrauen, insbesondere wenn sie in kritische Prozesse eingreift.
Frankreich und Spanien weisen mit rund 68 bis 70 % den höchsten Einsatzgrad von KI auf, gefolgt von Deutschland und Italien mit rund 54 bis 55 %. Was jedoch die Zuverlässigkeit betrifft, kehrt sich die Rangfolge um: 42 % der französischen Entscheidungsträger halten KI für kritische Prozesse für zuverlässig, gegenüber 47 % in Spanien, 49 % in Italien und 52 % in Deutschland.
Auch die Bedenken sind unterschiedlich. In Frankreich steht der Datenschutz im Vordergrund. In Deutschland und Italien bereitet die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern größere Sorge, während in Spanien der Verlust der menschlichen Kontrolle eine wichtigere Rolle spielt.
Es geht also nicht mehr nur darum, ob europäische Unternehmen KI einführen werden, sondern unter welchen Bedingungen sie bereit sind, ihr zu vertrauen. Zuverlässigkeit, Datenhoheit, technologische Unabhängigkeit oder menschliche Kontrolle: Die Erwartungen unterscheiden sich, zeugen jedoch alle von dem gleichen Bedürfnis, die Integration der KI zu regeln.
Die KI wird so zu einem Indikator für die unterschiedlichen europäischen Vorstellungen von digitalem Vertrauen: Die Einführung kann rasch voranschreiten, ohne dass sich das Vertrauen im gleichen Tempo entwickelt.
Betrug, Regulierung und Souveränität: europäische Herausforderungen, unterschiedliche Wahrnehmungen
Über die neuen Technologien hinaus hängt das digitale Vertrauen auch von der Fähigkeit der Unternehmen ab, Bedrohungen zu begegnen, ihre Daten zu schützen und die Kontrolle über ihr digitales Umfeld zu behalten. Zu diesen Themen zeichnen sich gemeinsame Anliegen ab, trotz teilweise sehr unterschiedlicher Risikowahrnehmungen.
Betrug ist ein besonders deutliches Beispiel dafür. 72 % der italienischen Entscheidungsträger, 64 % der französischen und 59 % der spanischen geben an, in den letzten zwölf Monaten einen Anstieg der Betrugsversuche festgestellt zu haben, gegenüber nur 36 % in Deutschland. Hervorzuheben ist zudem, dass Phishing und Identitätsdiebstahl in allen vier Ländern zu den größten Bedrohungen zählen.
Gleichzeitig müssen sich Unternehmen mit einem anspruchsvollen und sich besonders schnell wandelnden regulatorischen Rahmen sowie mit wachsenden Bedenken hinsichtlich der Datenhoheit auseinandersetzen. Die digitale Souveränität ist ein zentraler Aspekt dieser Überlegungen: Die Herkunft der Anbieter, der Speicherort der Daten oder auch die Garantien, die europäische Lösungen bieten, werden zu Kriterien, die bei technologischen Entscheidungen zu berücksichtigen sind.
Sicherheit, Compliance und Souveränität sind somit immer enger miteinander verknüpft. Der Schutz einer digitalen Interaktion besteht nicht mehr nur darin, Betrug zu verhindern oder eine regulatorische Verpflichtung zu erfüllen, sondern auch darin, sich zu fragen, welchen Akteuren, Infrastrukturen und Technologien das Unternehmen sein Vertrauen schenkt.
Diese Herausforderungen sind europäischer Natur, doch ihre Intensität und die darauf gegebenen Antworten sind für jeden Markt spezifisch. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Strategien wider, die Unternehmen für die kommenden Jahre zu entwerfen beginnen.
Auf dem Weg zu einem strategischeren digitalen Vertrauen bis 2028?
Diese Gegensätze setzen sich in der Art und Weise fort, wie Unternehmen die Zukunft betrachten. Mit Blick auf das Jahr 2028 messen noch nicht alle dem digitalen Vertrauen in ihrer Strategie die gleiche Bedeutung bei.
In Frankreich, Deutschland und Italien wird es nach wie vor hauptsächlich mit der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften in Verbindung gebracht. Spanien hebt sich hier stärker ab: 60 % der Entscheidungsträger verbinden dort digitales Vertrauen mit Wachstum und Wettbewerbsvorteilen, gegenüber 38 %, die es mit der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften in Verbindung bringen.
Auch die geplanten Investitionen spiegeln unterschiedliche Prioritäten wider. In Frankreich steht die Transaktionssicherheit im Vordergrund, in Deutschland die Daten-Governance, in Italien die Interoperabilität und Konnektivität, während Spanien der KI und der Automatisierung mehr Raum einräumt.
Diese Ausrichtungen werfen eine umfassendere Frage für die kommenden Jahre auf: Wird digitales Vertrauen in erster Linie eine Antwort auf Sicherheits- und Compliance-Anforderungen bleiben oder wird es nach und nach zu einem Hebel für Transformation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum werden?
Zum jetzigen Zeitpunkt scheint Europa nicht auf eine einheitliche Antwort hinzuarbeiten. Vielmehr zeichnen die vier Märkte mehrere Wege zu einem gemeinsamen Ziel auf: die Schaffung digitaler Umgebungen, die sowohl zuverlässig und sicher sind als auch Innovation fördern können.
Digitales Vertrauen in Europa: Das Wichtigste auf einen Blick
In Europa zeichnet sich eine gemeinsame Dynamik ab, doch das digitale Vertrauen folgt noch keinem einheitlichen Verlauf. Die untersuchten Länder teilen zwar bestimmte Anforderungen in Bezug auf Datenschutz, Regulierung und Souveränität, weisen jedoch unterschiedliche Reifegrade und Prioritäten auf.
Prozessdigitalisierung, künstliche Intelligenz, Betrug, Daten-Governance oder technologische Entscheidungen: Jeder Markt findet sein eigenes Gleichgewicht zwischen Transformation, Risikokontrolle und Vertrauen.
Diese Vielfalt steht der Entstehung eines gemeinsamen Ziels nicht im Wege. Mit der Weiterentwicklung der digitalen Nutzungsgewohnheiten wird Vertrauen zu einer wesentlichen Voraussetzung dafür, dass europäische Unternehmen ihre Transformation fortsetzen, ihre Interaktionen absichern und neue Technologien einführen können.
Um mehr zu erfahren und alle Daten, Vergleiche zwischen Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien sowie die Aussichten bis 2028 einzusehen, klicken Sie auf das Banner, um die vollständige Studie zu lesen.







